Träumen soweit ich will
Rubrik _Inspiration und Wissenswertes

Träumen soweit ich will

Alle Jahre wieder: TOCA ME, Designkonferenz in München – ein bereits liebgewonnener Fixpunkt im Kalender. In der Alten Kongresshalle drehte sich am 4. März 2017 wieder alles um Kunst und Design. Und um Träume, die es wert sind, konsequent und mit vollem Einsatz vorangetrieben zu werden, bis sie Wirklichkeit sind.

 

„I’m a constant maker” (Joshua Davis)

„Wenn alles zu einfach geht, wird es einfach langweilig.” Der New Yorker Joshua Davis verbindet leidenschaftlich Technologie und Kunst. Er malt mit Sound und Licht, kombiniert kreative und analytische Konzepte und erzeugt damit wunderschöne, psychedelische Muster. Die Faszination der unaufhörlichen Reise treibt ihn an, dem ständigen ausprobieren und experimentieren mit Neuem und Unbekannten.

Lichtdesigns für Bands wie Nine Inch Nails, Naked oder Phantogram, die Auszeichnung Prix Ars Electronica 2001 Golden Nica für „Net Vision / Net Excellence” und Ausstellungen in den namhaftesten Museen weltweit sind die Folge. Beim Super Bowl 2016 designte er mit durchschlagendem Erfolg die Super Friday Night für Pepsi und Pharrell Williams. Sein persönliches Highlight beim heurigen Super Bowl 51 war, alle drei Tage mit seinen überdimensionalen Lichtdesigns bespielen zu können.

Joshua Davis’ Arbeiten und deren Entwicklungsstadien kann man in so gut wie allen sozialen Netzwerken verfolgen. Auf der TOCA ME forderte er lautstark dazu auf, sich nicht hinter lähmendem Perfektionismus zu verstecken, sondern auf sich aufmerksam zu machen und die Projekte kompromisslos in allen Medien zu zeigen. Auf den Punkt gebracht: ‚work in progress is progress’.

„Du bist dein eigener Feind! Du must dich selber loswerden! Komm raus da!” brüllte er als letzter Speaker zu später Stunde dem Publikum ins Ohr. Recht hat er.

 

 

Gmunk – erstmals auf der TOCA ME 2009 gesehen – war auch dieses Jahr wieder mit dabei und bediente das Klischee eines Kreativen auf ganzer Linie. Als einziger Speaker bequem im Lounge Chair, mit immer griffbereitem Wodka Tonic richtig in Szene gesetzt. Der Top Visual & Design Director erzählte in Überlänge über den Verlauf seiner ‚Therapie’ – wie er versucht, der kreativen Langeweile zu entfliehen und immer wieder Neues ausprobiert: „Du must in die Kreation verliebt sein und nicht in die Anerkennung.” Es lässt vermuten, er liebt beides sehr.

 

Britischer Humor und Innovatoren von morgen

Seb Lester ist Kalligraphie-Künstler, Schriftdesigner (unter anderen der legendären Groteskschrift Neo Sans) und Social Media Star. Das Buch ‚The Graphic Language’ von Neville Brody war die Initialzündung für eine erstaunliche Karriere. Verkaufte sich die erste veröffentlichte Schrift von Seb Lester gerade sieben mal, zählen mittlerweile so große Marken wie British Airways, Apple, Nike, Intel, The New York Times und die NASA zu seinen Kunden.

 

 

Die Kunstobjekte von Dominic Wilcox begeisterten mich schon auf der TedxVienna 2016. Ob Schuhe mit integriertem GPS um besser nach Hause zu finden oder andere verrückte Ideen – im Kopf von Dominic Wilcox gibt es einfach nichts, was es nicht gibt. Mit dem Projekt „little inventors” inspiriert er die innovativen Denker der nächsten Generation und verwirklicht ihre fabelhaften Ideen.

 

 

Auflösen der Grenzen

Der Designer und Filmemacher Keiichi Matsuda arbeitet seit acht Jahren an der ‚Mixed Reality’ und experimentiert mit der Frage, welche Formen der reale Raum mit den Formen der digitalen Medien annehmen kann. Mit Kenntnis aus Architektur und dem Interesse für digitale Kultur und Gesellschaft, versucht er die Grenzen des Machbaren auszuweiten bis es schmerzt. Keiichi Matsuda eröffnet mit ‚Hyper-Reality’ einen provokanten Blick in eine Welt der Zukunft, die gar nicht mehr so weit entfernt scheint.

Eigentlich sind wir schon mittendrin – mit all den Gadgets, die unsere Gesundheit kontrollieren, uns Entscheidungen abnehmen und erklären, wie wir uns fühlen und was für uns das Beste ist. Die Digitalisierung hat unsere Fähigkeit, Empathie zu empfinden, bereits begonnen zu verändern. Vorstellungen über weitere mögliche Auswirkungen lassen einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

 

 

Das Beste zum Schluss

Mario Klingemann und sein Vortrag ‚Machine learning & art’ war – für mich – der beste des Tages. Maschinen werden mit Kenntnissen ‚gefüttert’ und beginnen, diese neu zu verbinden. Genau so, wie wir Menschen es auch tun. Wir schaffen aus erlernten Kenntnissen einfach nur neue Kombinationen. Das bedeutet, dass wir nicht vollkommen ‚unberührt’ neue Ideen kreieren können, sondern nur im Stande sind, das neu zu arrangieren, was wir bereits kennen und es so zu unserem eigenen ‚Ding’ machen. Mit Blick auf die digitale Transformation wird damit klar, wie sehr sich Mensch und Maschine im ‚Denken’ ähneln und wie wichtig es ist, sich selbst ständig mit neuen Informationen zu ‚füttern’. Mario Klingemann wird konkret: „Wir sind mitten in der digitalen Transformation und vieles wird sich verändern und auflösen. Keiner braucht Angst davor zu haben, aber jeder sollte bestmöglichst darauf vorbereitet sein.”

Nach dem sogenannten Kleine-Welt-Phänomen (alle sind wir über 6,6 Ecken verbunden, das Jeder-kennt-jeden-Gesetz) speist er den Computer ständig mit neuen Informationen. Daraus entwickelt dieser immer wieder neue Ordnungen. Es ist spannend zu beobachten, wie ein Algorithmus formale Informationen verbindet und interpretiert. Für alle Interessierten gibt’s einen Vortrag von Mario Klingemann zum Thema unter diesem Link (von 5:20 bis 25:30) zu sehen.

 

Dream BIG, TOCA ME.
Bis zum nächsten Jahr!

 

 

 

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